Die gesellschaftliche Entwicklung zeigt sich gegenwärtig in nahezu allen Bereichen von einer zunehmenden Schnelllebigkeit geprägt. Diskussionen werden kürzer, Aufmerksamkeitsspannen geringer und viele zwischenmenschliche Begegnungen zunehmend in digitale Räume verlagert. Der Cyberspace entwickelt sich immer mehr zur Bühne für jagdliche Selbstdarsteller und Influencer, deren jagdkynologische Kompetenzen das Zerknüllen einer feuchtklammen „Wild und Hund“ nicht übersteigen. Gerade deshalb gewinnen Veranstaltungen an Bedeutung, welche Menschen mit gleichen Interessen über Generationen hinweg real zusammenführen. Das inzwischen weit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus bekannte Sommerfest der Landesgruppe 13 im VDW hat sich genau zu einem solchen Treffpunkt entwickelt.
Vom 26.06.-28.06.2026 trafen sich Hundeführer, Familien, Richter, Ausbilder und Jagdgebrauchshundefreunde aus ganz Deutschland sowie dem europäischen „Umland“ zu einem Wochenende auf dem Auerberg im Harz, welches mittlerweile als eine der größten jährlich stattfindenden rasseübergreifenden jagdkynologischen Veranstaltungen bezeichnet werden kann. Bereits im Vorfeld zeigte sich das enorme Interesse: Insgesamt meldeten sich knapp 300 Teilnehmer an, von denen dann 250 Teilnehmer mit 98 Hunden für die Welpen- und Übungsgruppen den Weg in den Harz fanden. Sehr viel weitere schon durchgeprüfte Hunde oder Hunde, welche Übungseinheiten und -prozesse den Teilnehmern live demonstrierten, wurden „statistisch“ nicht erfasst, rundeten jedoch das Gesamtbild ab und trugen wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung bei. Einige angemeldete Gespanne entschuldigten sich völlig nachvollziehbar aufgrund der Jahrhunderthitze genau an diesem Wochenende. Die Anwesenden teilten sich in folgende Gruppen auf: 49 Welpen für die Juniorengruppe, 41 Gespanne zur Vorbereitung auf die EP/EPB sowie 8 Hunde in der GP-Vorbereitung.
Schon der Freitag begann traditionell mit den ersten Übungseinheiten am Schwarzwildgatter Trautenstein. Gerade unter den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Diskussionen um Jagd, Tierschutz und die Ausbildung unserer Jagdgebrauchshunde zeigt sich immer deutlicher, wie wichtig fachlich fundierte Möglichkeiten zur kontrollierten Einarbeitung am wehrhaften Wild bleiben. Die Ausbildung brauchbarer Jagdhunde ist kein nostalgisches Brauchtum, sondern elementarer Bestandteil einer tierschutzgerechten Jagdausübung. Nur brauchbare (und durch Zeugnisse dokumentiert geprüfte) Hunde ermöglichen Nachsuchen, tierschutzkonforme Stöberjagden und die waidgerechte Jagdausübung insgesamt.
Der Vizepräsident des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt Jörg Matthies aus der Jägerschaft Halberstadt nahm an dem Gattertermin teil, übermittelte in seiner Begrüßungsansprache die Grüße des LJV Sachsen- Anhalts und zeigte den Anwesenden damit die Bedeutung, welche der praktischen und vor allem jagdnahen Jagdhundeausbildung mittlerweile auch auf höchster Landesjagdverbandsebene beigemessen wird.
Vielen Dank deshalb an den Gattermeister Ralf Zapf und seine Frau Kerstin, welche die formelle Administration in altbewährter und routinierter Form übernahm. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich die Beiden über das gesamte Wochenende für jedes einzelne Gespann Zeit nahmen und die Arbeiten fachlich begleiteten. In Anlehnung an das letzte Jahr, als die Deutsch- Kurzhaar erstmalig am Gatter bewertet wurden, konnte in diesem Jahr auch das Leistungszeichen „SJG“ des PRTCD im Schwarzwildgatter abgenommen werden– ein weiteres Zeichen dafür, dass die Veranstaltung inzwischen weit über die Grenzen einzelner Rassezuchtvereine und Verbände hinaus als Plattform jagdpraktischer Zusammenarbeit wahrgenommen wird! Wann sonst finden sich so viele Verbandsrichter des JGHV aus den unterschiedlichsten Gebrauchshundelagern (mit Ausnahme des JGHV- Verbandstages selbst) an einem Ort ein?
Das Wochenende wurde von extremer sommerlicher Hitze begleitet. Umso bemerkenswerter zeigte sich die hervorragende Organisation vor Ort: In sämtlichen Revierteilen sowie auf dem gesamten Veranstaltungsgelände standen ausreichend Frischwasserstellen für die Hunde bereit. Gerade bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke zeigte sich, wie wichtig eine vorausschauende Planung und das Verantwortungsbewusstsein der Organisatoren gegenüber Mensch und Hund sind.
Am Samstagmorgen begrüßte der Landesgruppenvorsitzende Mario Gießler die Teilnehmer auf dem Parkplatz Auerberg. Neben den zahlreichen Gästen aus den unterschiedlichsten Jagdgebrauchshundelagern konnten mit Vanessa Lietzow und Hans Sturm Vertreter des Hauptvereins begrüßt werden. Die Bundesvorsitzende des VDW entschuldigte sich leider kurzfristig für ihr Fernbleiben an dieser mit einem Riesenaufwand für den Verein organisierten Veranstaltung.
Im Anschluss erläuterte Maik Härter als Hauptorganisator den Ablauf des Tages und teilte die Gruppen entsprechend Alter und Ausbildungsstand der Hunde ein. In aller Deutlichkeit verwies er auf die Brut- und Setzzeit und die Beachtung der Tierschutzhundeverordnung. Bemerkenswert bleibt weiterhin die enorme Bandbreite der vertretenen Jagdgebrauchshunderassen. Terrier, Teckel, Wachtelhunde, Vorstehhunde, Bracken und weitere Spezialisten der unterschiedlichen jagdlichen Einsatzbereiche zeigten einmal mehr, dass gelebte jagdpraktische Zusammenarbeit unabhängig und weit übergreifend der Rassegrenzen funktionieren kann.
Die Welpengruppe absolvierte verschiedene Stationen zur Frühprägung und altersgerechten Förderung. Wassergewöhnung, Schleppenarbeit, Wesensfestigkeit sowie der Umgang mit unterschiedlichsten Alltagssituationen wurden praxisnah vermittelt. Die EP/EPB-Gruppen trainierten in den bereitstehenden Flächen in schattenspendenden offenen Fichtenbeständen in Gewässernähe Apportierfächer, Gehorsamsübungen sowie Wasserarbeit. Hier konnten auch die GP-Hunde gezielt an den anspruchsvolleren Fächern der Herbstprüfungen arbeiten und ihren Ausbildungsstand vergleichen.
Ein besonderes Interesse weckten auch in diesem Jahr die Erste-Hilfe-Vorträge von Dr. Dr. Peter Schunk. Gerade in Zeiten zunehmender Wolfspräsenz, steigender Schwarzwildbestände und höherer jagdlicher Belastungen unserer Hunde zeigte sich die enorme Bedeutung praxisnaher medizinischer Sofortmaßnahmen. Die Vorträge von Dr. Dr. Schunk waren ebenso wie Ronny Meinekes (Jagd- und Forstservic) Vortrag zum Thema Hundeeinsatz und Organisation von Bewegungsjagden durchgehend sehr gut besucht und sorgten für viele fachliche Gespräche unter den Teilnehmern.
Parallel zur Hundearbeit wurde den Familien ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten. Besonders die kostenlose Kindertombola entwickelte sich zu einem absoluten Highlight des Wochenendes. Dank großzügiger Unterstützung durch Playmobil konnten unzählige Kinderaugen zum Leuchten gebracht werden. Überhaupt zeigte sich, dass der Begriff „Familientag“ auf dem Auerberg nicht bloß eine Floskel ist, sondern tatsächlich gelebt wird. Eine Ausstellung mit vielen Bildern des Wildtiermalers Klaus-Peter Reif verwandelten den großen Speiseraum im Forsthaus Auerberg in eine Kunstgalerie. Das Preisschießen wurde wie gewohnt professionell organisiert und durchgeführt. Sieger bei den Herren wurde Ronny Meineke, Grit Oelze dominierte die Damenriege und Ida Wirringa gewann den Jugendpreis. Der in den vergangenen Jahren äußerst beliebte „Sommerbiathlon“ musste dagegen aufgrund der extremen Temperaturen kurzfristig abgesagt werden. Die Entscheidung zeigte jedoch Verantwortungsbewusstsein und wurde von allen Teilnehmern nachvollzogen.
Erstmalig wurde über das Wochenende hinweg sowohl ein warmes Mittagessen als auch ein warmes Abendessen angeboten. Dieses neue Versorgungskonzept wurde von den Teilnehmern hervorragend angenommen und stellte gerade unter den hochsommerlichen Bedingungen eine deutliche organisatorische Aufwertung dar. Vielen Dank an Liane Lukas und ihr Team vom Bauernstübl Neudorf und Kathrin Kirchhoff vom Forsthaus Auerberg für die Bewirtung und Beherbergung der Teilnehmer!
Die große Tombola mit hochwertigen Preisen wurde durch zahlreiche Sponsoren ermöglicht. Vielen Dank an alle Unterstützer, welche die Veranstaltung Jahr für Jahr begleiten und damit einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen leisten.
Der Sonntagmorgen wurde von vielen Teilnehmern nochmals für Gespräche, Erfahrungsaustausch und weitere Gattereinheiten genutzt, bevor sich die Gespanne langsam auf die Heimreise machten.
Betrachtet man die Entwicklung des Sommerfestes der Landesgruppe 13 über die vergangenen Jahre wird deutlich, dass hier längst mehr entstanden ist als lediglich ein Ausbildungswochenende. Der Auerberg hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, an welchem jagdpraktische Ausbildung, kynologischer Austausch, Familienfreundlichkeit und gelebte Kameradschaft in bemerkenswerter Weise miteinander verbunden werden.
Ein herzliches Dankeschön gilt deshalb allen Helfern, Ausbildern, Revierinhabern, Sponsoren, Organisatoren und Unterstützern, ohne deren oftmals tage- und teilweise wochenlange Vor- und Nachbereitung eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich wäre. Ebenso gilt der Dank der Landesgruppe Sachsen-Anhalt, welche wie die letzten Jahre schon die Versorgungskosten der Teilnehmer übernommen hat! Möge dieser schöne Brauch auch in Zukunft weiterleben! Wir freuen uns bereits jetzt auf das Sommerfest 2027 im Harz!
Für die LG 13 im VDW
Alexander Geßler



































































